Samstag, 5. Juli 2014

"What a lovely winter" für SSABB-Chor (SSAB mit geteiltem Bass) a cappella

Im Lauf des letzten Jahres habe ich einige Stücke für Chor komponiert – sozusagen angestiftet durch den evangelischen Kirchenchor, bei dem ich seit einer Zeitlang im Bass mitsinge oder den ich (momentan erstaunlich oft) am Klavier begleite. Ein Stück von mir haben wir letztes Jahr aufgeführt, ein weiteres singen wir morgen zum ersten Mal vor Publikum – aber hier möchte ich eines vorstellen, dass mir vor nicht ganz einem Monat eingefallen ist: "What a lovely winter" für fünfstimmigen Chor, mit ein wenig über drei Minuten Dauer:
  • Drei Frauenstimmen (zwei Soprane und eine Altstimme, alle eher tief) und
  • zwei Männerstimmen (ein tiefer "Liege"-Bass – da reicht eine Solostimme – und ein melodischer Bass)
Ein Klick auf das folgende Bild öffnet die MP3-Datei (mit "Computerstimme"), danach stehen Links zu allen Dateien:


Meine Idee für dieses Stück war, ein nicht-kirchliches Lied für ein Advent- oder Weihnachtskonzert zu schreiben. Komponieren, auch für Sänger, beginnt bei mir in der Regel von der Melodie her: Mir fällt eine Phrase ein (tatsächlich "will ich eine Phrase komponieren" – es ist also ein ziemlich aktiver Vorgang, der aber trotzdem meistens am Arbeitsweg oder beim Autofahren stattfindet) – also mir fällt eine Phrase ein, meistens schon mehrstimmig oder mit einer Idee, wie Stimmen mit- oder gegeneinander gesetzt werden:


Und dann ... steh ich da, weil ich keinen Text dazu habe. Also lasse ich mir ein Textstück einfallen, das auf die musikalische Phrase draufpasst. Diesmal war's ein englisches "Snippet": "What a lovely winter". Ein wenig Suchen nach Worten erzeugt daraus andere "Snippets" wie "what a peaceful winter", "what a gorgeous winter", "what a silent winter". Ein paar der Texte scheinen mir zu einer gemeinsamen Stimmung beizutragen ("peaceful", "silent"), andere gehen irgendwie gegen den Strich ("gorgeous").

Zu diesem Zeitpunkt stellt sich dann die Frage, ob ich mit der Musik oder mit dem Text weitermache. Lieber ist mir die Musik, aber gerade deswegen sollte ich zuerst mehr Text schreiben ... In diesem Fall habe ich "mir selber nachgegeben" und die Stimmen weitergeschrieben. Und natürlich muss ich mir auch einen groben Aufbau vornehmen, in diesem Fall:
  • Ruhiges Hauptthema,
  • dann erste "Action" – irgendwas muss passieren, was die Spannung anziehen lässt.
  • Danach wieder zurück zum ruhigen Thema,
  • danach ein weiterer, zweiter, fröhlicherer Höhepunkt.
  • Zuletzt wieder Hauptthema, Ruhe ... allerdings: Will ich wirklich mit einem ruhigen Durklang aufhören? ... da will ich dann doch tatsächlich noch einen kleinen Überraschungseffekt zum Schluss!
Ab diesem Zeitpunkt kann ich machen, was mir Vergnügen macht: Musik erfinden, so wie ich das will. Das Anschrauben eines Textes – der dann an einigen Stellen natürlich die Melodie formt: dort, wo das Eis knackt ... – ist dann zwar etwas weniger unterhaltsam, aber ist hier auch ganz gut vorwärtsgegangen (zwei S-Bahn-Fahrten ...).

Und das war's – Ergebnis siehe oben!

Samstag, 21. Juni 2014

Ein kleines Präludium in C

2011 habe ich noch ein kleines Orgelpräludium in C (aber nicht nur ...) geschrieben, das sich ein wenig mit Betonungen "gegen den Takt" und auch mit "leichtgewichtigen Modulationen" herumspielt.

Ein Klick auf die folgenden Noten öffnet die MP3-Datei, die ich ebenfalls mit der "Burea Church"-Orgel von GrandOrgue hergestellt habe:


Zur Klarstellung meiner "GrandOrgue"-Verwendung: Die eigentliche, intendierte Verwendung von GrandOrgue ist als zentraler Teil einer Digitalorgel: Man schließt "vorne" MIDI-Manual(e) und, wenn man's hat, MIDI-Pedal an, "hinten" eine qualitiativ möglichst gute "Klangabstrahlung" (6...12 passende und passend verstärkte Lautsprecher), und spielt (und nimmt auf). Ich habe weder die passende Manuale noch eine akzeptable Klangwiedergabe, spiele stattdessen auf einer kleineren Pfeifenorgel in unserer Kirche, habe dafür aber kein akzeptables Aufnahmeinstrumentarium. Daher spiele ich meine Stücke "vom MIDI-File via GrandOrgue ins MP3-File" – auch, um über die ein wenig schmale Disposition unserer Orgel hinauszudenken und zu -spielen.

Hier sind alle Dateien aufgelistet:
Bei diesem Stück war wegen der vielen Temponuancen das GrandOrgue-Rendering ziemlich aufwendig. Diese PDF-Datei enthält die Grandorgue-Partitur, und hier ist das zugehörige Noteworthy-Composer-File zu sehen. Die vielen vielen Tempowerte habe ich im wesentlichen auf folgende Art erzeugt:
  • Mit einem kleinen MIDI-Keyboard (leider habe ich noch keines, das sich bequem spielen ließe) habe ich einzelne Abschnitte wieder und wieder aufgenommen.
  • Daraus habe ich mir jeweils jene Version eines jeden Abschnitts ausgesucht, die meinen Vorstellungen am nächsten kam.
  • Eine Umsetzung mit midicsv hat daraus ein "lesbares" Textfile erzeugt.
  • Mit einem kleinen AWK-Programm habe ich aus den "Ticks" (oder "Pulses") der MIDI-Datei Zeitangaben herausgerechnet (die Zusammenhänge zwischen den diversen Tempo- und Zeitangaben in einer MIDI-Datei sind z.B. hier ganz gut erklärt).
Tatsächlich war das Ergebnis – wie wohl zu erwarten – eher "humpelig", weil die einzelnen Teile nicht zusammengepasst haben – also musste ich noch ziemlich einiges an den Tempoangaben herumeditieren. Irgendwann ist mir dann die Geduld ausgegangen, und ich habe das Ergebnis als "gut genug" deklariert. In dieser Form kann man es nun oben hören ...

Samstag, 10. Mai 2014

Rock Prelude für Orgel 4-händig

Hier ist ein weiteres Orgelstück, diesmal ein "Rock Prelude" für Orgel zu vier Händen und, wenn sich's ausgeht, Pedal. Bis jetzt habe ich noch niemand gefunden, der das Stück mit mir einmal live ausprobiert – ich habe es nun einmal mit GrandOrgue direkt aus einer Midi-Datei spielen lassen (ein Klick auf die folgenden Noten öffnet das MP3):

Update Juni 2014: Das bisherige MP3 war viel zu langsam = schülerhaft. Dieses hier ist besser, aber auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei ... nun ja, vielleicht komm ich irgendwann dazu, es in Details noch herzurichten)!


Noten: Partitur (Primo, Secondo)

Für GrandOrgue: Midi-Datei, GrandOrgue-Einstellungen

Hier sieht man einen Ausschnitt aus der Partitur für GrandOrgue: Die pink ergänzten Systeme enthalten die passend gekürzten Noten für die Wiedergabe (üblicherweise macht man das in einem MIDI-Editor etwa einer DAW, ich weiß – ich bin's aber seit langen Jahren, noch von meiner Drehorgelarrangiererei her, gewohnt, Notenlängen für das Abspielen so festzulegen). Das unterste, einlinige System ist für die Tempoauszeichnung – bei diesem ziemlich "geraden" Stück tut sich in diesen paar Takten allerdings da gerade gar nichts:

Samstag, 26. April 2014

Kleines Präludium auf GrandOrgue

Hier ist ein kleines Präludium, das ich 2011 komponiert habe, samt einer Wiedergabe auf dem GrandOrgue "Orgel-Simulator" (eine Open-Source-Entsprechung des bekannten Hauptwerk-Programms):
Das ist mein erster Versuch, eine Komposition direkt auf dem Computer mit realistischem Klang wiederzugeben – ich hoffe, ich lerne in Zukunft mehr darüber, wie man auf diese Weise halbwegs anhörbare Stücke für Orgel (und vielleicht später für andere Instrumente) produziert!

Mittwoch, 12. März 2014

Kaiser/Gerlitz, Arrangieren und Instrumentieren: 1. Am Anfang war der Rhythmus - Gerader Takt: Marsch und Tango

Endlich gerader Takt: Marsch und dann Tango!

Das Mozart-Menuett wird zu einem Haydn'schen Marsch. Wie schon bisher zeigen die äußeren Notenzeilen das Originalstück, die inneren, mit Klammer versehenen Zeilen das Arrangement:


MIDI    Noteworthy

Umgekehrt wird der Marsch von Haydn zu einem Menuett:
Die parallele Darstellung von Dreier- und Vierertakt ist mir hier nur gelungen, indem ich im Menuett eine Menge verborgener 64stel-Pausen untergebracht habe, die die drei Viertel auf vier Viertel "dehnen". Das führt leider dazu, dass das Menuett nicht mehr legato abgespielt wird – was ich wiederum reparieren hätte könne, indem ich entsprechend längere Noten auf verborgenen Notenlinien platziert hätte ... aber das war mir dann doch zuviel Arbeit.


MIDI    Noteworthy

Als nächstes werden uns die Standardrhythmen des argentinischen und des spanischen Tango vorgestellt – und wieder muss Mozart's Menuett herhalten. In beiden folgenden Aufgaben sollen beide Tango-Rhythmen verwendet werden, allerdings jeweils ausgestauscht zwischen Melodie und Begleitung. Statt des 2/4-Taktes habe ich die Tangos im 4/4-Takt notiert, weil sich das leichter mit dem 3/4-Takt des Menuetts übereinanderstellen ließ:


MIDI    Noteworthy


MIDI    Noteworthy

Donnerstag, 6. März 2014

Kaiser/Gerlitz, Arrangieren und Instrumentieren: 1. Am Anfang war der Rhythmus - von und zu Sarabande

Momentan geht's (trotz Urlaub!) sehr zäh weiter. Schon vor zwei Wochen habe ich zwei weitere Lösungen er-arrangiert, und heute im Zug aus lockerer Hand eine weitere – hier sind sie! Wegen der Zeitnot ist's diesmal doch wieder nur eine Lösung je Aufgabe – wieder mit mit dem Risiko, dass ich "weit daneben liege": Zu kompliziert, zu einfach, zu verspielt, zu simpel, ...

Auch in den folgenden Lösungen steht außen (in der jeweils obersten und untersten Notenzeile) das Original, in der Mitte meine "Übersetzung".

Aufgabe 1.11: Aus einem Menuett soll eine Sarabande werden:


MIDI    Noteworthy

Aufgabe 1.12: Umgekehrt soll aus einer Sarabande ein Menuett werden:


MIDI    Noteworthy

Und Aufgabe 1.13: Dieselbe Sarabande soll ein romantischer Walzer werden:


MIDI    Noteworthy

Samstag, 22. Februar 2014

Kaiser/Gerlitz, Arrangieren und Instrumentieren: 1. Am Anfang war der Rhythmus - Walzer wird Menuett, und die Sarabande kommt dazu

Ich präsentiere weiter meine Lösungen: Nicht, weil sie so gut sind (sind sie nicht), sondern weil vielleicht jemand was draus lernt ... und außerdem macht mir das offensichtlich Vergnügen, nicht?

Aufgabe 6 (S. 23): Das Gegenteil von vorher! – aus einem Walzer (von Schubert) soll ein Menuett werden. Hier ist mein Ergebnis – außen steht der Walzer, auf den mittleren beiden Notenzeilen mein Menuett:


MIDI    Noteworthy

Vergleich mit der Musterlösung: Ganz anders! Bei mir viele Achtelläufe – zum Teil übernommen aus dem Walzer –, in der Musterlösung praktisch nur Viertelrhythmen. Die wenigen Achtel sind nur Verzierungen, zweimal ein Vorhalt, einmal eine Umspielung. Ist meine Lösung falsch? Ich bleibe stur und behaupte, dass es verschiedene "Typen" von Menuetten gibt: Unter anderem eben "viertelige" und "achtelige" – meins ist eben achtelig. Trotzdem bleibt ein komisches Gefühl, was "die da" nun von mir wollen ...

Eine enorm langsame Violin-Sarabande von Bach dient als Einleitung für den nächsten Teil. Und ich soll nun aus dem Menuett der ersten Übung (Aufgabe 3) eine solche, allerdings für Klavier erzeugen.
Hier ist die erste Lösung, ergänzt nach den vorgegebenen ersten vier Takten:
MIDI    Noteworthy

Vergleich zur Musterlösung: Die bewegt sich eigentlich noch mehr als meine, immerhin, verzierende Melodie. Wieder stellt sich mir die Frage: Ist meine Lösung "genügend richtig"? Weil ich das so aber nicht entscheiden kann, werde ich in Zukunft immer zwei Lösungen anfertigen – eine "mit mehr Bewegung", eine mit "weniger". Hier ist die zweite Lösung für die Sarabande, wieder erst nach den vier vorgebenen Takten von mir; und diesmal habe ich mich an den Dur-Akkord im letzten Takt gehalten, auch wenn er mir ziemlich heftig vorkommt:

MIDI    Noteworthy

Und noch eine letzte Aufgabe habe ich gelöst: In der Aufgabe 10 soll aus der Bach-Sarabande ein romantischer Walzer entstehen. Nun ja ... großartig wird das nicht werden (weil die Sarabande nicht so viel an Harmonien hergibt, der Gegensatz von "gerade" und "verziert" aber beim Moll-Walzer etwas drübergebügelt wird), aber hier ist ein Ergebnis:

MIDI    Noteworthy

Vergleich mit Musterlösung: Ups, da hab ich im ersten Takt die Harmonie gedreht: Bei Bach ist auf Schlag 2 und 3 die Subdominante, bei mir läuft die Tonika durch. Außerdem ist bei mir das a am dritten Schlag des fünften Takts falsch: Da muss ein b stehen (oder ein g). Sonst ...
  • ... verwendet die Musterlösung einen dominantischen Übergang in die Subdominante am Anfang der zweiten Hälfte;
  • ... "färbt" sie mit einem verminderten Septakkord den Anfang des sechsten Taktes;
  • ... übernimmt sie 1:1 die Umspielung im letzten Takt.
Das mache ich alles nicht. Trotzdem lass ich's hier bei dieser einen Lösung (eine zweite habe ich geschrieben, aber sie unterscheidet sich kaum von der ersten – nur das falsche a und den Harmonie-"Fehler" im ersten Takt habe ich "repariert", jetzt klingt der Anfang eher komisch – wie die Musterlösung auch).

Nächstens dann: Menuett nach Marsch, also Dreier- zu Vierertakt!